Samstag, 27. Dezember 2014

Die Schneckenskulptur von Jason Rhoades und Paul McCarthy auf der Theresienhöhe

 „Sweet Brown Snail" von Jason Rhoades und Paul McCarthy


Mit 4,50 Metern Höhe fügt sich die Schneckenskulptur „Sweet Brown Snail" auf dem 23 000 Quadratmetern zwischen Kongresshalle und Verkehrszentrum in ihre großzügig dimensionierte Umgebung ein. 


Text und 2 Fotos von Helga Wäß


Schnecken-Skulptur: „Sweet Brown Snail" von Jason Rhoades und Paul McCarthy,
München Theresienhöhe, Foto: Helga Wäß


Als Kunst am Bau-Projekt schufen die bekannten amerikanischen Künstler Jason Rhoades und Paul McCarthy dieses Objekt, dass mit Ironie die im Verkehrszentrum illustrierte Mobilität durch das tragbare Schneckenhaus spiegelt. 

Deutsches Museum Verkehrszentrum auf der Theresienhöhe, Foto: Helga Wäß

Und auch die in den Ausstellungsobjekten mitschwingende Sehnsucht der Menschheit nach Schnelligkeit wird durch die dem Tier eigene Langsamkeit ins Gegenteil verdreht. In einem Neutralgrau setzt sich der Schneckenkörper mit seinem ziegelfarbenem, rotem Schneckenhaus von dem hellen Kalkstein aus dem Altmühltal ab, der den gesamten Platz zwischen Kongresshalle und Verkehrszentrum belegt.

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Donnerstag, 25. Dezember 2014

Sonderausstellung „TRANS SIB – Ein Jahrhundertprojekt auf Schienen“ im Vehrkehrszentrum des Deutschen Museums

Mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau an den Pazifik



Noch bis zum 30. August 2015 (täglich von 9 bis 17 Uhr) können Eisenbahnfans die Sonderausstellung „TRANS SIB – Ein Jahrhundertprojekt auf Schienen“ im Verkehrszentrum oberhalb der Theresienwiese besuchen. 


Text und 5 Fotos von Helga Wäß


Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit  des Verkehrszentrums des Deutschen Museums mit dem Industriemuseums Lauf.

Ausstellungsplakat zur Sonderausstellung
Trans Sib. Ein Jahrhundertprojekt auf Schienen
Foto: Helga Waess

Geschichte des Eisenbahnbaus in Russland


Am 31. Mai 1891 war Baubeginn für die Transsibirische Eisenbahn. Es war das Mammutprojekt des Zarenreiches und wurde erst nach Jahrzehnten vollständig abgeschlossen. 
Zuvor hatte Zar Nicolai I. die Eisenbahnstrecke zwischen St. Petersburg und Moskau bauen lassen: die berühmte Nicolai-Bahn. Alexander II. lies Verkehrsadern aus Eisen im Westen Russlands (bis 1881) verlegen und erst Alexander III., der die Bahn verstaatlichte, nahm die Ostrichtung in Angriff. Hierbei waren neben der Präsenz am Pazifik, die Erschließung der Bodenschätze im Osten und die Siedlungspolitik mit der Einbindung Sibiriens in das große Russische Imperium sicherlich maßgebliche Gründe. 
Bereits 1899 kam man mit der Bahn bis Irkutsk und 1903 bis Wladiwostok. Nach 25 Jahren waren alle sieben großen Bauabschnitte beendet. In einer ausführlichen Schauwand zeigen historische Fotografien wie beschwerlich der Streckenbau war, denn immerhin mussten die Schienen Berge, Flüsse und Täler überwinden.

Mit dem Bau der Strecke wurde an zwei Enden gleichzeitig begonnen. Durch das „Schlafende Land“/„Sib Ir“ wie die Tataren die weiten Steppen östlich des Urals nannten, führte fortan die Lebensader auf Schienen, die für die dort Lebenden oft die einzige Verbindung zur Außenwelt war. Güterzüge und Personenzüge stellten die Verbindung zwischen den Orten und die Versorgung der Menschen an dieser Strecke sicher.


Mit der Eisenbahn durch Sibirien 


Der Trans Sib-Reisende überwindet verschiedene Klimazonen, während sich die Ausblicke stündlich ändern. Die Strecke beginnt in der Millionenmetropole Moskau, um dann kleinere Städte, ausgedehnte Birkenwälder, Taiga, Steppen und - fährt man nach Peking - sogar eine Wüste zu durchqueren.

Von Moskau nach Wladiwostok führt die klassische Strecke der Transsib


Innerhalb Russlands bewegt man sich auf der Strecke der Transsibirischen Eisenbahn zwischen Moskau und Wladiwostok. Auf dieser Eisenbahnfahrt von 9300 Kilometern Länge fährt man gegen die Zeit an: sieben Zeitzonen werden durchquert. Um die Reisenden nicht vollends zu verwirren zeigen alle Uhren auf den Bahnhöfen der Strecke die Moskauer Zeit an.

Durch Russland, die Mongolei und China führt die Transsibirische und die Transmongolische Eisenbahn

Etwas länger dauert die Fahrt mit der Transsibirischen und der Transmongolischen Eisenbahn. Immerhin hat die Strecke eine Länge von 7900 Kilometern und führt durch fünf Zeitzonen und unterschiedliche Klimazonen.

Zeitzonen der Transsibirischen Eisenbahn
und der Transmogolischen Eisenbahn,
veranschaulicht an Bahnhofsuhren, Foto: Helga Waess

Indigene Völker anhand der Trans Sib-Strecke


Die Ausstellung beleuchtet auch die Geschichte der verschiedenen Völker, welche an der Bahnstrecke leben und lebten. Immerhin finden sich in Sibirien mehr als 30 indigene Völker.

Schamanengewand in der Ausstellung Transsibirische Eisenbahn
 im Verkehrszentrum des Deutschen Museums an der Bavaria,
Foto: Helga Waess

FAZIT: Die Sonderausstellung „TRANS SIB – Ein Jahrhundertprojekt auf Schienen“ im Verkehrszentrum oberhalb der Theresienwiese sollte man sich  nicht entgehen lassen!


Über eine schwebende Besucherbrücke gelangt der Besucher auf die Galerie der Sonderausstellung „TRANS SIB – Ein Jahrhundertprojekt auf Schienen“. Zuvor hat er bereits Züge, Bahnen und historische Automobile, Fahrräder und Kutschen gesehen. Eine gute Vorbereitung, um sich auf ein Jahrhundertprojekt des Eisenbahnbaus einzulassen: die Transsibirische Eisenbahn.

In Bildern, ausführlichen Texten, Karten und Ausstellungsstücken wird die Eisenbahnstrecke zwischen Moskau und Wladiwostok beziehungsweise Moskau und Peking anschaulich dargestellt. Neben der Technik und der Geschichte werden aber auch die Menschen vorgestellt, die an dieser historischen Eisenbahnstrecke leben. Eine meterlange Karte nimmt die  Orte und Regionen auf, welche bei einer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn durchquert werden.

In dieser äußerst informativen Ausstellung lernt der Besucher viel über die Geschichte der Transsibirischen und Transmogolischen Eisenbahn. Und er erfährt viel über die Städte, Völker und Landstriche, die mit dem fahrenden Wohnzimmern, oder besser mit diesem Hotel auf Schienen bereist werden können. Der Luxus im Zug und die Berichte der Menschen, die mit ihm fahren, und auch jener, die mit oder von der Trans Sib leben, alles wird angesprochen.

Eingang zur Ausstellung "Trans Sib. Ein Jahrhundertprojekt auf Schienen"
im Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München, Foto: Helga Waess

143 Stunden mit der Transsibirischen Eisenbahn 


Mit der Weisheit des Matthias Claudius „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“ wird der Rundgang abgeschlossen. Eine Fahrt von Moskau nach Wladiwostok dauert 143 Stunden, man lebt im Zugabteil, im Speisewagen und lässt am Zugfenster eine der wohl spannendsten Regionen der Erde, einen ganzen Kontinent an sich vorbeiziehen.

Wer schon immer mehr über die Geschichte und die Strecke der Transsibirischen Eisenbahn wissen wollte, kann in dieser Ausstellung im Verkehrszentrum des Deutschen Museums einen großen Wissensschatz erlangen und sein Fernweh schüren.
Was man mitbringen sollte, sind Neugier, eine gute Lesebrille und viel Zeit, um das ganze inhaltliche Ausmaß dieser wirklich informativen Sonderausstellung zu umreißen.

Ort der Sonderausstellung "Trans Sib. Ein Jahrhundertprojekt auf Schienen" ist das
Deutsche Museum Verkehrszentrum am Bavariapark oberhalb der Oktoberfestwiese in München,
Foto: Helga Waess

Lebenstraum Transsibirische Eisenbahn – Reisen auf der berühmtesten Bahnstrecke der Welt


Eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn war zu allen Zeiten für Eisenbahnfans ein Lebenstraum. Und wer weiß: heute kann man bequem mit dem Sonderzug Zarengold auf der Transsib-Strecke reisen und standardisierten Luxus erleben. Vielleicht eine Idee für die Zeit des Ruhestands oder man nimmt an einem Gewinnspiel in der Ausstellung teil und erhält mit viel Glück den Hauptgewinn: eine Reise für zwei Personen in eben diesem Sonderzug.

Öffungszeiten: täglich von 9 bis 17 Uhr

Deutsches Museum Verkehrszentrum (weitere Informationen)


Am Bavariapark 5
Theresienhöhe 15 (für Navigationssysteme)
80339 München

Das Verkehrszentrum ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet!

geschlossen:
25. 12. 2014 Weihnachten
31. 12. 2014 Silvester
Geschlossen 2015:
01. 01. 2015 Neujahr
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Mittwoch, 24. Dezember 2014

Sonderausstellung "Spur Z" im Verkehrszentrum am Bavariapark

Das Münchner Verkehrszentrum am Bavariapark zeigt eine Miniatur Eisenbahn-Ausstellung in der Größe 'Spur Z' 


Text und 6 Fotos von Helga Wäß



Deutsches Museum Verkehrszentrum am Bavariapark - oberhalb der Theresienwiese
in München,
Foto: Helga Wäß


Die Modellanlage von Wolfgang Besenhard und Manfred Jörger, die ab dem 26. Dezember 2014 im Verkehrsmuseum an der Bavaria zu sehen ist, nimmt nicht viel Raum ein:

eine "Spur Z" – Maßstab 1:220. 


Plakat zur Ausstellung "Spur Z",
Foto: Helga Wäß

Ab dem 2. Weihnachtstag wird diese kleine Ausstellung im Verkehrsmuseum gezeigt


Bahnhof im Modell 'Spur Z-Format', Foto: Helga Wäß

Die sehr kleinteilige Modulanlage, die Wolfgang Besenhart konstruierte und Manfred Jörger (Sytem Jörger) ausführte, illustriert eine reale Bahnstrecke. 

Modellbahn-Staffage für "Spur Z", Foto: Helga Wäß


Das Spur Z-Modell illustriert die Bahnstrecke von München nach Holzkirchen

Gezeigt wird die Bahnstrecke über die Großhesseloher Brücke von München nach Holzkirchen, die von von 1909 bis 1984 in Betrieb war, in Halle I – 'Stadtverkehr'. Die Thematik dieses Modul-Aufbaus fügt sich in jene der Halle I des Verkehrsmuseums ein: hier zeigt die feste Schausammlung das Bild einer Straßen-Inszenierung aus den Anfangszeiten um 1900 im Maßstab 1:1 - mit originalen Schaustücken, die nicht nur Autofans begeistern. 

Hier hätte man gerne eine Lupe dabei, Foto: Helga Wäß

Halle 1 des Verkehrsmuseums in München

Unterschiedliche öffentliche Verkehrsmittel, Busse und Straßenbahnen, aber auch viele Automobile der ersten Generationen des privaten Massenverkehrs lassen die Besucher schmunzeln und staunen.

Flugfeld der Modellanlage - im Hintergrund
Originale der Automobilgeschichte,
 Foto: Helga Wäß


Deutsches Museum Verkehrszentrum (weitere Informationen)


Am Bavariapark 5
Theresienhöhe 15 (für Navigationssysteme)
80339 München

Das Verkehrszentrum ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet!

geschlossen:
25. 12. 2014 Weihnachten
31. 12. 2014 Silvester
Geschlossen 2015:
01. 01. 2015 Neujahr


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Mittwoch, 17. Dezember 2014

Ein Kamel auf der Wiesn. "Walk-Act" der französischen Compagnie Paris Bénarès aus Nantes

Ein Kamel auf dem Tollwood-Winterfestival


Das Kamel auf der Theresienwiese entdeckt die Bavaria im Sonnenuntergang, Foto: Helga Waess

Ein äußerst bemerkenswerter Walk-Act.


Das Tier durchstreift mit seinem Reiter das Tollwoodgelände und schaut um jede Ecke. Kinder steigen auf die Schultern ihrer Väter, um einmal den Kopf des treu blinzelnden Tieres zu streicheln.

Die Strassen-Theatergruppe Compagnie Paris Bénarès


Die Theatergruppe ist mit Kamel aus Nantes angereist. Wir haben ihren Besuch auf der Theresienwiese in München am dritten Adventssamstag beobachtet.
Auf unserem Foto entdeckt das Kamel die Bavaria.
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Dienstag, 16. Dezember 2014

Georg Urban - 66 Jahre Kunsthandel im Herzen Münchens

Sammelleidenschaft und Liebe zur Kunst 

Ein Interview mit dem Kunsthändler Georg Urban


In diesem Jahr feierte der Kunsthändler Georg Urban sein 66-jähriges Berufsjubiläum. Seit nunmehr fast 67 Jahren ist der Spezialist für Skulpturen von der Gotik bis zur Barockzeit (13.-18. Jahrhundert) immer noch für Sammler, Museen und Kollegen eine gute Adresse. Seine Skulpturen wurden über zahlreiche Kunstmessen, an welchen das Unternehmen im Laufe der Jahrzehnte immer wieder teilnahm, einem größeren Sammlerkreis bekannt. Die Herkunft „Georg Urban, München“ findet sich als Provenienz in vielen bedeutenden Sammlungen weltweit. Sein Ladengeschäft an der Rückseite des Hotels Bayerischer Hof sollte man sich bei einem Münchenbesuch nicht entgehen lassen (mehr unter diesem Link).

von Dr. Helga Wäß 
Kunsthändler Georg Urban mit barockem Engelspaar,
Foto: Dimitri Davies/www.belichtungswert.de, München

Zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk steht Georg Urban mit 86 Jahren selbst noch jeden Tag von morgens um 10 bis abends um 18 Uhr in seinem Ladengeschäft, das wie ein barockes Schatzkästchen anmutet. Er besucht Sammler oder Klöster persönlich, berät auch am Wochenende und nahm bis Oktober 2008 auch noch an internationalen Messen sowie der Kunstmesse „Munich Highlights“ teil.
Wir trafen Ihn in seinem Ladengeschäft an der Rückseite des Hotels Bayerischer Hof in München.

Herr Urban, wie kamen Sie zur Kunst? 

In meiner Heimat bin ich schon als Kind mit meiner Großmutter zum Gartlberg hinauf gestiegen. Das ist eine Wallfahrtskirche oberhalb von Pfarrkirchen. Dort bin ich aufgewachsen. In dieer Kirche habe diese wunderschönen Altäre bestaunt. Und von da an hat mich die sakrale Skulptur fasziniert. 

Warum begeistern Sie sich für Kunst?

Weil all diese Skulpturen, Engel, Madonnen und Heilige von den Künstlern ja nicht nur als reines Schnitzwerk gearbeitet wurden, sondern jeder Bildhauer brauchte auch Religiösität. Er brauchte den Geist, um das Bild des göttlichen mit dem menschlichen zu verbinden. 
Ich bin ein Händler, der die Kunstwerke nicht nur als Ware anschaut, sondern auch die Seele erfühlt. Mit jener Seele, die der Bildhauer in seiner Zeit in seine Werke legte.

Wann und wo haben Sie Ihren Kunsthandel gegründet?

Es war im Frühjahr vor 66 Jahren, kurz nach der Währungsreform, in meiner Heimatstadt Pfarrkirchen. Ich war damals 20 Jahre alt.

Heilige Familie,
Neapel, 18. Jahrhundert,
Terrakotta
Foto: Dimitri Davies/www.belichtungswert.de,
München

Die historischen Krippenfiguren die man bei 
Georg Urban entdecken kann
haben Sammlerwert.
Warum haben Sie den Schwerpunkt auf Antiquitäten gelegt? 

Ich habe meinen Schwerpunkt auf Skulpturen gelegt, weil jedes Kunstwerk etwas einmaliges in sich trägt. Wenn ich eine Skulptur berühre oder ansehe, spüre ich schon den Geist des Künstlers. Das war immer schon so. 
Es ist fast ein Geschenk des Himmels, dass ich in meiner ganzen Händlerschaft nicht einmal ein Stückerl gekauft hab, das nicht aus der Zeit war.  

Was fasziniert Sie an der christlichen Kunst beziehungsweise an den Objekten, mit denen Sie handeln?

Es ist immer wieder die Begabung der Künstler. 



Können Sie uns Beispiele nennen?

Ein wunderbarer Kauf waren drei Ignaz Günther Engel, zwei Mädchen und ein Junge, bei denen man sofort anhand des Ausdrucks und der ganzen Körperlichkeit fühlte, dass der Künstler hier vielleicht seine eigenen Kinder porträtierte. 

Einen Altar möchte ich auch noch erwähnen, den ich vor gut 30 Jahren in einem Auktionshaus im Keller gefunden habe. Ich wusste sofort, wo er herstammte: aus St. Pauls bei Eppan (Südtirol) aus dem Kronshof. Ich habe ihn direkt gekauft und dann dem Pfarrer von St. Pauls angeboten.  
Zur Besichtigung kamen hierfür 32 Obstbauern aus Südtirol angereist. Ich empfing Sie in meiner Wohnung zum Weißwurst-Essen. Sie waren ganz traurig, dass sie das Geld erst nicht aufbrachten. Gott sei dank war eine Kunsthistorikerin auch noch da. Sie kam vom Stadtmuseum in Bozen, das dann kaufte und wo der Altar heute ausgestellt wird. 


Eine schöne Geschichte. Ihre Augen leuchten!

Ja! Kunst hält jung. (Georg Urban lächelt)

So könnte ich ihnen tausende von Geschichten erzählen. Ich freue mich immer, dass jeder Kauf und Verkauf solch eine spannende Geschichte mit sich bringt und auch große Freude: für mich und den Kunden. Denn: Ich darf in jedes Haus rein, wo ich etwas gekauft habe und wo ich etwas verkauft habe. Ich habe zahlreiche Kunstwerke vor dem Verfall gerettet, die heute wieder in Kirchen und Museen zu bestaunen sind. 
Der leidenschaftliche Kunsthändler
Georg Urban mit der 2,30 m hohen
Skulptur des Heiligem Donatus,

Foto: Helga Waess

Was verbindet Sie mit Ihren Kunden?

Ich bin für meine Kunden nicht nur Händler, sondern im Laufe der Jahre haben sich auch viele Freundschaften entwickelt; denn uns verbindet eine ganz große Gemeinsamkeit: die Sammelleidenschaft und die Liebe zur Kunst. 

Welche hier ausgestellte Skulptur liegt Ihnen zurzeit besonders am Herzen? 

Der Heilige Donatus ist eine wunderbare Skulptur. Es handelt sich hierbei um eine 2,30 m große Barockskulptur, die komplett aus Holz geschnitzt wurde und farbig gefasst ist. Solche Skulpturen standen als sogenannte "Schreinwächter" oben, sprich seitlich, auf den Hochaltären der Barockzeit.

(Während Georg Urban erzählt leuchten seine Augen und wir erleben eine fast jugendliche Leidenschaft.)

Der Künstler Witwer war in Prag als Schüler vom großen Egidius Braun und später in Wien, dann selbst als Meister tätig. Aus seiner Meisterhand stammen viele Schreinwächter in dieser Größe - die sich in Kirchen oder Museen finden. Im Katalog „Barock im Oberland“ hat Professor Koeberl den Künstler Witwer vorgestellt und weitere Großskulpturen abgebildet.

SCHREINWÄCHTER - ALTARFIGUR
Künstler: Josef Georg Witwer 
(1719 – 1785 Bildschnitzer zu Imst in Tirol)
Überlebensgroße Skulptur des Heiligen Donatus in Prunkrüstung
18. Jahrhundert, Holz geschnitzt, polychrom gefasst,
Höhe ca. 2,20 m, Breite ca. 1,10 m


Der Heilige Donatus ist ein Wetterheiliger, der den Blitz fängt und in silberner Rüstung als Ritter mit Schwert auftritt?

Unser Donatus trägt eine Weißblaue Scherpe um die Lenden und einen weißblauen Federbusch auf dem Kopf. Letzteres spricht dafür, dass er in Bayern, daher die Landesfarben, zu lokalisieren ist. Hier wurden zahlreiche Kirchen und Klöster in Napoleonischer Zeit aufgehoben, geplündert oder zerstört, so dass es schwer ist diese Figur einer bestimmten Kirche beziehungsweise einem Altar zuzuordnen.

In der Zeit der Säkularisation wurden Kircheninventare samt Gemälden, Skulpturen und anderen Kunstwerken zerstört. Einige Stücke wurden von Privatleuten oder Geistlichen versteckt und dadurch gerettet.

In einem Museum dürfte solch ein außergewöhnliches Werk der Schnitzkunst besondere Aufmerksamkeit erregen?

Ja, das wäre mir ein Anliegen, solch seltene Skulpturen sollte man der Öffentlichkeit zugänglich machen. 

Herr Urban, vielen Dank für das Interview!




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Tiere auf dem Tollwood-Winterfestival 2014 in München


Artgerechter Umgang mit "Lebe!wesen" 

Ein sonniger Adventssamstag auf der der Theresienwiese. Die Veranstalter sind zufrieden. Besucher schlendern, speisen, kaufen Weihnachtsgeschenke und lassen sich von Musik und Sonderveranstaltungen berieseln.

Tollwood-Winterfestival:
Eingang vom U-Bahnhof Theresienwiese
Foto: Helga Waess

Das Festival und der Tollwood-Weihnachtsmarkt geben das Motto vor. Was hier verzerrt oder erworben wird ist BIO zertifiziert , FAIR gehandelt und FREI von Gentechnik.


Unter dem Motto "Lebe!wesen" verweisen die Veranstalter des Tollwood-Winterfestivals auf der Theresienwiese auf artgerechte Tierhaltung und biologisch erzeugte Lebensmittel hin.

Devise auf dem Tollwood-Winterfestival und Markt,
 Foto: Helga Waess







Das ARME SCHWEIN von Gabor Miklos Szoke auf dem Tollwood-Winterfestival


Skulptur: "Armes Schwein" des
ungarischen Künstler Gabor Miklos Szoke,
Foto: Helga Waess
Beim Betreten des Tollwood Winterfestival-Geländes von der U-Bahnhaltestelle Theresienwiese aus sieht man in der Ferne bereits eine riesige rosa Skulptur. Ein "Armes Schwein" in einem 10 x 5 Meter großem Käfig. Installiert hat es der ungarischen Künstler Gabor Miklos Szoke.

Es ist eine riesen Sau, in einem viel zu engem Käfig: ein "Mahnmal für artgerechte Tierhaltung".




Und dann das: Ein Kamel - oder ein "CHAMÖH!" sucht ein Zuhause

Das Kamel auf der Wiesn, Foto: Helga Waess


Ein Kamel. Noch lagert es ganz ruhig am Boden.  Das Höckertier. Dann kommen ein paar Menschen und es erhebt sich. Kinder staunen. Erwachsene zücken ihre Foto-Mobils.

... dann fängt es an zu laufen.

Ein übergroßes hölzernes Kamel läuft über die Wiesn.





"Walk-Act" der französischen Compagnie Paris Bénarès aus Nantes


Ein äußerst bemerkenswerter Walk-Act. Das Tier durchstreift mit seinem Reiter das Tollwoodgelände und schaut um jede Ecke. Kinder steigen auf die Schultern ihrer Väter, um einmal den Kopf des treu blinzelnden Tieres zu streicheln.

Die Sraßentheatergruppe Compagnie Paris Bénarès ist mit Kamel aus Nantes angereist. 

Wir haben ihren Besuch auf der Theresienwiese in München am dritten Adventssamstag beobachtet.
Das Kamel aus Frankreich, Es blinzelt,
 Foto: Helga Waess



10 Personen schieben und steuern das hölzerne Kamel,
 Foto: Helga Waess


Auf  Rollen mit Zugmechanik und ferngesteuert
Foto: Helga Waess

Der Sonne entgegen! Das Kamel entdeckt die Bavaria,
 Foto: Helga Waess

Wüstenstimmung im Dezember, Foto: Helga Waess







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Sonntag, 14. Dezember 2014

Andreas Feininger. Klassiker der Photogeschichte in der Münchner Galerie Stephen Hoffman

Andreas Feininger (1906-1999) 

Vintages und signierte Originalphotographien


Photokenner stehen auch heute noch staunend vor Andreas Feiningers Arbeiten, die, ob ihrer Präzision, ihrer Genauigkeit und Schärfentiefe, ihrer Linienführung und dokumentarischen Motivwahl den Blick magisch anziehen.


Über große Distanzen schaffte es der Mechanik-Tüftler Andreas Feininger, selbst weit Entferntes zu fokussieren und oft immense Größenverhältnisse im Detail zu erfassen. Für diese besondere Sichtweise konstruierte er Teleobjektive, die aufgrund enormer Brennweiten eine neue, klare und umfassendere Wiedergabe des real Gesehenen ermöglichten.

Jede New York-Aufnahme wurde von ihm bis ins Detail durchkomponiert


Seine New York-Aufnahmen haben das Bildgedächtnis über diese Stadt weltweit geprägt. Andreas Feiningers Photoklassiker brachten das Bild dieser wohl faszinierendsten Metropole in die Welt.
Link zur Aufnahme New York bei Nacht

Der Sohn des Malers Lyonel Feininger


Andreas Bernhard Lyonel Feininger wurde 1906 als Amerikaner in Paris geboren. Er verstarb 1999 in seiner Wahlheimat New York.
Andreas war der Sohn des Malers und Bauhaus-Lehrers Lyonel Feininger, der 1919 an die Bauhaus-Schule gerufen wurde, um die Leitung der Grafik-Werkstatt zu übernehmen. (Link zur Homepage des Bauhauses Dessau mit Lyonel Feininger Biographie)
Andreas wurde eben hier, nach dem er als zu freier Geist das Gymnasium verlassen musste, zunächst zum Kunsttischler ausgebildet (Link zu Andreas Feininger auf der Homepage des Bauhauses Dessau). Zum Studium der Architektur ging er schließlich zur Bauschule Weimar und anschließend nach Zerbst. 1927 sind baute sich der Architekturstudent seine erste Dunkelkammer und fing an mit seinen Experimenten zur Entwicklung: Es waren besonder die Effekte wie die Solarisation, das Runzelkorn oder auch das Basrelief, die seinen Forscherdrang herausforderten.
Später wurde er Architektur-Zeichner in einem Hamburger Architekturbüro und entwarf zum Beispiel Karstadt-Warenhäuser.

Andreas Feiningers erste Kamera war eine 6,5 x 9 cm-Voigtländer (Link führt zu Bildern der Kamera). Von Anfang an faszinierten ihn Formen, Schatten und so genannte menschliche Fingerabdrücke in einer Landschaft: Architekturen, Formen und Strukturen. Er experimentierte während der Entwicklung vom Glasplattennegativ (Link = Bilder von Plattenkameras) im Labor und konstruierte schließlich seinen ersten Vergrößerungsapparat – eine Weltneuheit, die im Jahr 1935 in die industrielle Produktion ging. In den 30er Jahren baute er mit einer 28''-Linse das bis dahin größte Teleobjektiv der Welt.


Er porträtierte unter anderem Hamburg, aber zumeist nachts und menschenleer


Andreas Feiningers Photos wurden erstmals im Jahr 1929 in der großen Ausstellung FiFo „Film und Foto“ in Stuttgart präsentiert. Als er im Jahr 1932 seine Arbeitserlaubnis in Europa verlor, führte ihn sein Weg nach Stockholm, wo er Wysse Hägg, eine Bauhaus-Kommilitonin heiratete.

Über die Architektur-Photographie und seine Kenntnisse in der Phototechnik wurde er schnell bekannt. Andreas Feininger entwarf und baute für eigene Zwecke Kameras, Teleobjektive und Vergrößerungsgeräte.

Photograph des LIFE-Magazins und Standardwerke der Photographie


1939 emigrierte seine Familie nach New York, wo Andreas Feininger als Photograph vom freien Bildreporter bald zur Festanstellung für das LIFE-Magazin avancierte (1943-62). Im Jahr 1955 waren seine Arbeiten in der legendären MoMa-Ausstellung „The Family of Man“ zu sehen.

Als Photograph, Konstrukteur, Lehrer für Photographie und Buchautor verfasste und illustrierte Andreas Feininger 61 Bildbände und einflussreiche Lehrbücher.
Seine Arbeit hat die Hochschulausbildung im Fach Photographie maßgeblich beeinflusst. Viele Photographen, wie Peter Lindbergh, Dennis Stock oder die heute bei München lebende Nomi Baumgartl haben bei ihm gelernt. Andreas Feininger lehrte sie „know how“ und, was dem Lehrer immer sehr wichtig war, vor allem „know why“. Ein Photograph solle sein Motiv in all seiner Struktur kennen, erkennen und durch seine Aufnahmen mehr darstellen als die pure Wirklichkeit – so der Lehrer.

Als Lehrer der Photographie haben Andreas Feiningers Bücher „Die Hohe Schule der Fotogafie“, „Feiningers Kompositionskurs der Fotografie“, „Licht und Beleuchtung in der Fotografie“, „Richtig sehen – besser fotografieren“, seine „Farbfotolehre“ oder „Die große Fotolehre“ - um nur einige zu nennen - Generationen von Photographen bis heute geprägt.

Link zur Online-Seite des LIFE-Magazins mit Fotos von Andreas Feininger

Andreas Feininger war einer der ersten und künstlerisch anspruchsvollsten Photographen des renommierten LIFE Magazins und prägte folgenden Lehrsatz: 
"The camera is superior to the eye, and the photograph can, 
and ideally should, portray the world more graphic than reality itself."

Grandioser Konstrukteur der Teleobjektiv-Geschichte


Er baute seine Tele-Objektive und ganze Kameras selbst. Sie mussten sein ganz eigenes Bildfeld festhalten und der von ihm anvisierten Schärfentiefe gerecht werden.

Andreas Feininger in der Galerie Stephen Hoffman in München


Bedeutende Arbeiten von Andreas Feininger, so genannte Klassiker der Photographie-Geschichte, werden zurzeit in München, in der Galerie Stephen Hoffman ausgestellt. Unter anderem jene New York-Bilder, die jeder kennt und die unser aller Bildgedächtnis dieser Metropole prägten.
Der Galerist Stephen Hoffman widmet dem Meister der Photographie die Ausstellung „Andreas Feininger (1906-1999). Vintages und signierte Originalphotographien“. Feininger-Ikonen der Photokunst werden noch bis zum 24. Januar 2015 in München, in der GALERIE STEPHEN HOFFMAN zu sehen sein.



Fine Art Photography
Prannerstr. 5
80333 München
tel +49 89 255-40-844

Die Galerie Stephen Hoffman 

wurde 2002 in der Prannerstrasse (Rückseite Hotel „Bayerischer Hof“) in München gegründet. Als international anerkannter Kunsthändler für Photographie, hat sich
Stephen Hoffman auf die Meister der klassischen Photographie des 20. Jahrhundert spezialisiert. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Galeriearbeit ist die internationale Modern und Contemporary Photography.

Link zur Literatur über und von Andreas Feininger im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

INFO-KASTEN ZU ANDREAS FEININGER

Andreas Feiningers Fotos von New York gelten heute weltweit als Ikonen der Photogeschichte: Feiningers Architekturphotographien haben das weltweite Bild New Yorks in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt. Der Photograph war einer der ersten und künstlerisch anspruchsvollsten Photographen des renommierten LIFE-Magazins. 
Er war der Sohn des Bauhauslehrers Lyonel Feininger, hatte am Bauhaus in Dessau und an der Bauschule Zerbst studiert und als Architekt in Deutschland gearbeitet, bevor er im Jahr 1939 nach Amerika emigrierte. Dort war Andreas zunächst freier Photograph und Bildreporter, bis er ab 1943 als fester Redaktions-Photograph beim LIFE-Magazin begann.
Zusammen mit Alfred Eisenstaedt (Link führt zur LIFE-Magazin-Homepage) oder Horst Capa revolutionierte Andreas Feininger beim LIFE-Magazin das Photographische Gedächtnis. Seine Bilder brauchten Doppelseiten – weil das menschliche Augenpaar ja „parallel“ wahrnehme. Seine Sprache waren die Bilder.


Link führt zu den Fotos von Alfred Eisenstaedt in der Galerie Stephen Hoffman


DHW - hier der Link Homepage der Autorin