Freitag, 18. August 2017

Kunstfälscher-Skandal mit russischer Avantgarde

 Kunstfälscher-Skandal: mit erfundener Provenienz zum Echtheitsnachweis


Bilder der russischen Avantgarden mit dem rückseitigen Besitzer-Stempel "Kurt Benedict" als Fälschungen entlarvt

Kunstsammlung "Benedict" wird als "reine Erfindung" eingestuft!

Viele Bilder der russischen Avantgarden, die sich in Sammlungen und Museen befinden, müssen erneut auf ihre Echtheit überprüft werden. In der ZEIT hatte Tobias Timm nach zwei Jahren Forschung bereits im Juli auf den "größten Fälschungsskandal der Nachkriegszeit" hingewiesen. (Hier der Link zum Artikel "Ist das echt? in der ZEIT vom Juli 2017)
Zur vollständigen Aufklärung des Kunst-Werke-Fälschungs-Skandals ist die Polizei auf die Mithilfe der Sammler, Kunsthändler, Galerien, Auktionshäuser und Museumsleute angewiesen, die Werke aus der angeblichen Sammlung "Kurt Benedict" in ihrem Besitz haben/hatten, zur Begutachtung vorgelegt bekamen oder einmal als Leihgabe aus Privatbesitz ausstellten.

München, Bavaria, Foto: Helga Waess (Archiv)

Fachleute für Pigmentanalysen und Materialuntersuchungen dürften vielfach auf Mal- und Trägermittel aus späterer Zeit stoßen


Museen, Galerien und Sammler sollten jetzt ihre Gemälde nach einem verdächtigen Stempel untersuchen und diese Werke prüfen lassen. Der Aufdruck "Kurt Benedict" in blauer Tinte auf der Rückseite des Keilrahmens könnte auf ein gefälschtes Werk hinweisen.  Auf der Homepage der Zeitschrift "WELTKUNST" wird der Stempel im Artikel von Lisa Zeitz "Missklänge aus dem Cellokasten" (dieser Link führt zur Site der Weltkunst online mit besagtem Stempel Kurt Bendict"
gezeigt (erschien auch in: Kunst und Auktionen 13/2017).

In München wäre hier das Doerner Institut für Sammler mit einem fraglichen Werk der russischen Avantgarden die richtige Anlaufstelle. Das Institut gehört zu den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen (Doerner Institut, Barer Straße 29, 80799 München). Die Fachleute des Institutes führen kunsttechnologische Forschungen durch und werten alle Erkenntnisse zu Pigmenten, Bindemitteln und weiteren Bestandteilen zum Nachweis der Authentizität des Kunstwerkes aus. (Dieser Link führt auf die Homepage des Doerner Instituts in München)


Auf der Homepage des Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste (Link zur Homepage des Lost Art-Registers www.lostart.de) finden sich schnell Informationen zum Kunsthändler Curt Benedict. K(C)urt Benedict (1923-1933) leitete die Galerie "Dr. Benedict & Co." in Berlin. 
Benedict, der seinen Vornamen sowohl mit "C" als auch mit "K" schrieb war Altmeisterhändler in Berlin. Er emigrierte im Jahr 1933 als jüdischer Sammler und Kunsthändler in das benachbarte Frankreich. Das eine Sammlung russischer Avantgarden im Hause Curt Benedict existiert habe, ist nicht bekannt.

Bereits am 21. Juli berichtete Michael Kohler im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung (Freitag, 21. Juli 2017, Nr. 166, S. 11) von einem unglaublich großflächig angelegtem Fälschungsskandal um sowjetische Kunst, die als "Zweifelhafte Wohltaten" in Museen gelangten. 

Der "Schwindel" war seit den 90er Jahren eigentlich aufgeflogen

Mysteriös war eine Schenkung von 14 Kunstwerken an die Berlinische Galerie, die zunächst von einer privaten Sammlerin und dann im Jahr 1999 von ihrem Sohn, einem Kunsthändler, als Wohltat an das Museum ging.
In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts waren aber auch andere Museen für Ausstellungszwecke an Fälschungen gelangt, so fanden sich im Museum Folkwang gleich 150 Aquarelle mysteriöser Herkunft, die dem Künstler Alexej von Jawlensky zugeschrieben wurden. Kurz vor der Ausstellung dieser Werke wurde damals der Titel der Kunst-Schau in "Original und Fälschung" umbenannt, da 37 Originale darunter waren.

Gefälschte Provenienzen wurden vor langer Zeit vorbereitet

Die Sammlerin welche die mysteriösen 14 Kunstwerke nach Berlin verschenkt hatte, überlegte sich eine "Provenienz", in der es hieß, sie habe die Werke der russischen Avantgarden höchstpersönlich von Kurt Benedict abgekauft. - Aktenzeichen XY, das heißt die Polizei hatte nach dieser Erfinderin übrigens bereits im Jahr 1973 gesucht. Das Auktionshaus Christie's nahm Werke mit dieser Provenienz in die Auktion. Verschiedene Museen von "Wien bis Berlin" (so: Kohler, SZ, 21. Juli 2017) erstanden Kunstwerke aus dieser erfundenen Sammlung und zahlten Preise von bis zu 800.000 D-Mark (z.B. das Lembruck-Museum für ein Werk von Baranow-Rossiné).